Prävention konkret

Der Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt

Prävention konkret ist der Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt von AMYNA e.V. Verein zur Abschaffung von sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt. Der Podcast diskutiert zentrale Fragen der Prävention sexualisierter Gewalt – fachlich fundiert, verständlich und praxisnah: Wie wird eine Einrichtung zum Schutz- und Kompetenzort? Wie lässt sich Prävention strukturell verankern? Was gehört in ein wirksames Schutzkonzept? Was können erste Schritte sein?

Der Podcast richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Träger und Vereine, die Verantwortung für den Schutz von Kindern und Jugendlichen tragen. Wir vermitteln wichtiges Hintergrundwissen, geben konkrete Tipps für die praktische Umsetzung und sprechen über den Umgang mit typischen Stolpersteinen.

Staffel 1: Schutzkonzepte machen Schule - In einem Jahr zum Schutzkonzept 

Schulen müssen Schutz- und Kompetenzorte sein und Prävention sexualisierter Gewalt strukturell verankern. Doch wie kann das gelingen? Viele Schulen haben sich bereits auf den Weg gemacht, beschäftigen sich mit der Prävention von (sexualisierter) Gewalt oder entwickeln bereits ein Schutzkonzept. Gleichzeitig kann der Berg an Informationen, Materialien und Vorlagen schnell überfordern.

Genau hier setzen wir in der ersten Staffel unseres Podcast an: Schritt für Schritt begleiten wir Lehrkräfte, Schulleitungen und pädagogische Fachkräfte auf ihrem Weg zu einem wirksamen Schutzkonzept. Ein Jahr lang greifen wir Monat für Monat einzelne Bausteine auf, vermitteln Hintergrundwissen, geben Praxistipps und zeigen erste mögliche Schritte auf. Was genau ist ein Schutzkonzept? Welche Bausteine sind besonders wichtig? Und wie gelingt die Umsetzung im System Schule – trotz Zeitdruck, Unsicherheiten und bestehender Strukturen? 

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Wir freuen uns sehr, wenn Sie in Ihrer Schule auf unseren Podcast aufmerksam machen. Wir haben deswegen Plakate für Sie erstellt, die Sie in Ihrer Schule aushängen können. Die Plakate sind für den Selbstdurck vorgesehen. Sie können in DIN A4 oder DIN A3 ausgedruckt werden. Wir empfehlen hierzu einen Farbdruck.

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S01E01 38:26

Bevor es losgeht: Schutzkonzepte verstehen

Schulen haben nicht nur eine Verantwortung für den Schutz der Schüler*innen vor sexualisierter Gewalt, sondern sind auch ideale Orte der Prävention, denn hier können alle Schüler*innen erreicht werden. Damit Schulen Schutz- und Kompetenzorte werden brauchen Sie ein Schutzkonzept. Aber was ist eigentlich ein Schutzkonzept? Welche Bausteine sind dort enthalten? Gibt es Vorgaben, die einzuhalten sind und wie fange ich am besten an? In der ersten Folge dreht sich um diese zentralen Fragen. Wir geben grundlegendes Wissen zu Schutzkonzepten an Schulen, geben Tipps zum Erstellungsprozess und sprechen über typische Stolpersteine im Kontext Schule, welche die Entwicklung von Schutzkonzepten in der Praxis immer wieder hemmen.
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Yvonne Oeffling:
[0:06] Erstmal Fans gewinnen. Also sucht euch Menschen, die auch sagen: Hurra, ein Schutzkonzept für unsere Schule ist eine Bombenidee. Jetzt ist die richtige Zeit, um euer Schutzkonzept an eurer Schule zu starten.

Yvonne Oeffling:
[0:24] Hallo und herzlich willkommen bei Prävention Konkret, dem Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt von Amyna e.V. Ich bin Yvonne Oeffling und ich hoste den Podcast zusammen mit meiner Kollegin Linda Sachs.

Linda Sachs:
[0:38] In der ersten Staffel mit dem Titel Schutzkonzepte machen Schule in einem Jahr zum Schutzkonzept geht es konkret um die Frage, wie gelingt Prävention sexualisierter Gewalt in der Schule.

Yvonne Oeffling:
[0:48] Wir begleiten euch Folge für Folge auf eurem Weg zum Schutzkonzept. Danke fürs Einschalten und viel Spaß bei Prävention konkret.

Linda Sachs:
[1:20] Herzlich willkommen an alle zu unserer allerersten Folge mit dem Titel Bevor es losgeht, Schutzkonzepte verstehen. Wir legen heute die Basis für die Schutzkonzeptentwicklung an euren Schulen. Was müsst ihr wissen, bevor ihr startet? Was sind Schutzkonzepte eigentlich? Wie beginnt man so einen Prozess und welche Tipps haben wir hier für euch? Damit gehen wir auch heute rein ins Thema. Yvonne, was sagst du, warum dreht sich unsere erste Staffel um Schutzkonzepte an Schulen? Welche Verantwortung haben Schulen beim Kinderschutz und warum sind sie zentrale Orte der Prävention?

Yvonne Oeffling:
[1:51] Naja, also die schnelle Antwort ist, weil es einfach eine Schulpflicht in Deutschland gibt und alle Kinder und Jugendlichen irgendwie in Schule gehen und dort natürlich auch erreicht werden. Und deswegen ist die Schule ein idealer Ort, um auch Schutz zu gestalten. Und ich finde es wichtig, dass Schulen Schutz- und Kompetenzorte sind für Kinder und Jugendliche, weil damit Lernen auch gut funktioniert. Ist es ja wichtig, dass Kinder und Jugendliche auch eine sichere Atmosphäre haben. Und deswegen, finde ich, braucht jede Schule ein Schutzkonzept, damit dieser Rahmen auch gut gewährleistet ist. Und die Kinder haben ja auch ein Recht darauf, wenn man in die UN-Kinderrechtskonvention zum Beispiel schaut, dass sie Bildung erfahren und so weiter. Und das kann ich natürlich nur verwirklichen, wenn ich mich in dem Ort, wo ich auch lernen soll, wohlfühle. Und da sind Schutzkonzepte einfach ein wichtiger Rahmen, die dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche und Schülerinnen und Schüler das auch sind in der Schule.

Linda Sachs:
[2:47] Aber man würde ja vielleicht denken, als allererstes, den Rahmen im Unterricht steckt ja die Lehrkraft. Was ist eigentlich so ein Schutzkonzept? Wie wirkt es? Warum braucht man auch so einen strukturellen Rahmen für die ganze Schule? Was können Schutzkonzepte da für einen Rahmen auch stecken?

Yvonne Oeffling:
[3:00] Naja, also Schutzkonzepte sind alle Maßnahmen und Konzepte, die in der Einrichtung verankert werden, um den Schutz der Schülerinnen und Schüler letztendlich zu verankern. Und das heißt, sie sind eine Antwort darauf von, was wissen wir aus Aufarbeitungsprozessen, was wissen wir über Strategien von Täterinnen und Täter und sie sollen dazu beitragen, letztendlich sexualisierte Gewalt in einer Institution zu erschweren. Und das ist grundsätzlich nicht nur eine Frage im 1 zu 1 der einzelnen Lehrkraft, sondern es ist eine institutionelle Frage. Und deswegen muss auch die ganze Institution, also die ganze Schulfamilie an sich mitarbeiten, zu sagen, was können wir machen, damit alle Schülerinnen und Schüler bei uns gut lernen können.

Linda Sachs:
[3:43] Das sieht man ja auch daran, dass Schutzkonzepte oft auch als Schutzprozesse bezeichnet werden, dass das auch ein Organisationsentwicklungsprozess ist, wo alle auch mit im Boot sein müssen. Und es hat ja zum Beispiel auch die Fallstudie Sexualisierte Gewalt und Schule gezeigt, dass auch viele Betroffene ganz explizit verpflichtende Schutzkonzepte auch für Schulen fordern und da sozusagen einen festen, auch verpflichtenden Rahmen an Schulen, wo Maßnahmen verankert sind, die einen Rahmen auch für alle Mitarbeitenden stecken. Und vor allem wurde hier auch benannt, dass das öffentliche Sprechen über sexualisierte Gewalt und das passiert ja eben in diesem Prozess, dass man sich da auch anfängt damit auseinanderzusetzen und dass das der wichtigste Mitbestandteil ist, da überhaupt Auseinandersetzung auch an der Schule voranzutreiben. Es gibt seit 2016 bereits das Fachportal der Initiative Schule gegen sexuelle Gewalt von der UBSKM, wo es viele Hilfestellungen und Informationen für Schulen gibt, die Schutzkonzepte entwickeln wollen. Trotzdem ist an vielen Schulen noch kein festes komplettes Schutzkonzept entwickelt worden. Es gibt viele Bausteine. Man sieht, dass da sich viel tut in den letzten Jahren, dass da viele Schulen sich auf den Weg machen. Also ein deutlich positiver Trend, aber da ist auf jeden Fall der Weg noch nicht begangen. Wie sieht es mit so gesetzlichen Vorgaben eigentlich aus? Gibt es da welche? Wie sehen die aus? Was müssen Schulen denn auch tatsächlich tun?

Yvonne Oeffling:
[5:00] Naja, also Bildung ist letztendlich Ländersache und deswegen ist es ein ganz unterschiedliches Bild, was sich in Deutschland, ein Bild, was sich bildet, ein Bild, was sich gestaltet, genau. Also je nachdem, welches Bundesland man blickt, hat man einfach unterschiedliche Rahmenbedingungen. Und es gibt von Seiten der KultusministerInnenkonferenz von 2023 empfohlene Standards, die sich auch beziehen auf diese Initiative Schule gegen sexuelle Gewalt, die so nochmal die zentralen Bausteine eines Schutzkonzepts für Schulen definieren. Aber die Verpflichtung ist ganz unterschiedlich in den Schulgesetzen der jeweiligen Länder geregelt. Und in Bayern ist es zum Beispiel so, da gibt es keine spezifische Verpflichtung des Kultusministeriums, aber es gibt sozusagen eine Empfehlung. Also es gibt eine Empfehlung, dass natürlich auch die Ministerialbeauftragten sagen, liebe Schulen, bitte macht euch auf den Weg und es gibt auch verschiedene Materialien, die dafür bereitgestellt werden, aber es gibt kein verpflichtendes Schulgesetz und das ist in anderen Bundesländern an manchen Stellen einfach anders geregelt.

Linda Sachs:
[6:07] Da gibt es ja, glaube ich, auch zumindest die Basic-Infos auch für die Bundesländer auf dem Fachportal nochmal aufbereitet, wo man ein bisschen gucken kann, was gilt für die einzelnen Bundesländer und das dann nochmal nachschauen kann. Nichtsdestotrotz kann ja auch so eine gesetzliche Vorgabe tendenziell kommen. Also es ist ja nicht so, dass sie gerade zurückgezogen werden, sondern eher, dass immer mehr erkannt wird, wie wichtig Schulen für den Kinderschutz sind und sich da schon mal auf den Weg zu machen, ist auf jeden Fall ein richtiger Schritt.

Yvonne Oeffling:
[6:32] Ja, das ist so ein bisschen wie die Frage, wie entsteht ein Kuchen. Also den Teig kann ich ja schon rühren, auch wenn vielleicht die finale Form noch nicht in Stein gegossen ist. Dann so ein Hefeteig dauert ja auch so ein bisschen, bis der dann backbereit ist. Von dem her würde ich sagen, können alle schon mal starten, egal wie in ihrem Bundesland die rechtliche Verpflichtung im Moment aussieht.

Linda Sachs:
[6:58] Absolut. Du hast schon gesagt, es gibt verschiedene Empfehlungen für wichtige Bausteine von so einem Schutzkonzept. Was umfasst sich so ein Schutzkonzept? Das ist ja eigentlich eben wie so ein Puzzle verschiedener Maßnahmen, wo eben Einzelne an vielen Schulen auch schon vorhanden sind, wo man vieles anknüpfen kann. Aber wichtig ist ja vor allem das Zusammenwirken der Maßnahmen, weil es wie bei einem Puzzle sich auch erst durch alle Puzzleteile ein Bild ergibt und so wirksamer Schutz erst hergestellt wird. Was gehört da auf jeden Fall dazu?

Yvonne Oeffling:
[7:25] Ja, genau. Also ich glaube, die erste Problematik, die man klären muss, ist, dass wenn ich jetzt den Begriff Schutzkonzept google, das ist so ungefähr effizient, wie wenn ich den Begriff Nudelsalat google, dann bekomme ich ganz verschiedene Auflistungen, weil das kein in sich geschützter Begriff ist, der eine ganz klare Definition hat. Und ich würde jetzt mal sagen, wenn wir jetzt mal uns orientieren an dem, was bei Schule gegen sexuelle Gewalt steht oder bei dem, was auch letztendlich dann in den Empfehlungen der KultusministerInnenkonferenz steht, dann gibt es so zentrale Bausteine, auf die man sich einigen kann. Mir ist dabei wichtig nochmal, egal was für eine Überschrift darüber steht, dass wenn Schulen sich auf den Weg machen zu gucken, welche Bausteine müssen wir denn bei uns abarbeiten, dass sie auch nach dem Warum fragen. Also wozu dient denn jetzt dieser Baustein? Weil wie ich eben schon gesagt habe, letztendlich sind die ja nicht aus der Luft gegriffen und jetzt hat man sich mal irgendwie überlegt, dass das gut wäre, sondern im besten Fall ist, es sind diese Bündelung von Maßnahmen, die in einem Schutzkonzept zusammenkommen, ja Antworten auf, was wissen die aus Ausarbeitungsprozessen, was wissen wir von Strategien von Täterinnen und Tätern, was wissen wir über sexualisierte Gewalt in Institutionen. Und deswegen finde ich, ist es wichtig, sich nicht so an den Überschriften nur ranzuhangeln, sondern sich vor allen Dingen zu überlegen, was möchte ich denn mit dieser Maßnahme, mit diesem Paket erreichen?

Yvonne Oeffling:
[8:53] Und so zentrale Bausteine sind zum Beispiel das, was zum Kinderschutz im Leitbild verankert ist. Das ist ja was, was grundsätzlich in Institutionen nach außen wirken soll, zu sagen, wir bekennen uns, haben da einen klaren Standard an der Stelle, ist auch eine Orientierung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit welcher Haltung wollen wir eigentlich zusammenarbeiten.

Yvonne Oeffling:
[9:14] Das zweite wäre, was zum Thema Personalverantwortung, also ich sage mal Stichwort erweiterte Führungszeugnisse, werden die von allen Erwachsenen, die mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt sind, eingefordert? Welche Rahmenbedingungen haben wir denn da auf diesen Ebenen geschaffen? Wie arbeiten wir auch neues Personal ein? So ein Schutzkonzept muss ja auch mitgetragen werden. Das finde ich ist auch nochmal ein wichtiger Aspekt.

Yvonne Oeffling:
[9:37] Dann geht es um das Thema Fortbildung. Also das heißt, werden die Lehrkräfte, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Schule ausreichend darin qualifiziert, Basisinfos zu haben zum Thema, was ist eigentlich sexualisierte Gewalt, was sind Strategien von Täterinnen und Tätern. Das sind Dinge, die nicht im Studium bis heute, also vielleicht erinnert sich das ja noch ein Ball, aber im Moment Status Quo nicht automatisch verankert sind und deswegen ist es wichtig. Dass Lehrkräfte dazu und auch andere Mitarbeitende in Schule dazu Basiswissen haben, damit sie dieses Warum eines Schutzkonzepts gut verstehen und das auch gut mittragen können. Deswegen ist Fortbildung an der Stelle wichtig. Schutzvereinbarungen, also so ganz konkrete Handlungsorientierungen. Was machen wir eigentlich in Situationen der besonderen Nähe, die wir mit Schülerinnen und Schülern haben? Wie gehen wir da um? Das finde ich ist ein ganz zentraler Aspekt von Haltungsentwicklung, auch an einer Schule miteinander auszudiskutieren, was finden wir da okay, was finden wir da nicht in Ordnung und da auch sich die verschiedenen Facetten anzugucken. Gibt es Orte, für die wir bestimmte Regelungen brauchen?

Yvonne Oeffling:
[10:51] Wie gehen wir mit dem digitalen Raum um? Sind wir mit unseren Schülerinnen und Schülern aus Social Media befreundet oder was auch immer? Also da auch eine gemeinsame, klare Haltung zu haben, das finde ich, ist eine total wichtige Geschichte. Dann natürlich Beteiligung und Beschwerde. Das sind, wenn man sich gerade auch aus der Geschichte der Aufarbeitungsprozesse anguckt, einfach zwei ganz zentrale Dinge. Wir müssen frühzeitig Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, mit ihren Anliegen zu den Erwachsenen Kanäle zu den Erwachsenen zu finden, damit auch tatsächlich Gewalt frühzeitig beendet werden kann. Und mir ist dabei wichtig, dass bei diesen Beteiligungs- und Beschwerdestrukturen auch im Sinne der Prävention sexueller Gewalt hinterfragt wird, sind die denn überhaupt tragfähig, um schwerwiegende Anliegen vorzunehmen. Weil ganz oft sagen dann Schulen, ja, wir haben ja KlassensprecherInnen oder wir haben irgendwie einen Klassenrat oder wir haben, von mir ist auch eine Schulversammlung und so. Und dann muss man sich schon ernsthaft die Frage stellen, sind diese Gremien und diese Möglichkeiten von Beteiligung und Beschwerde denn auch wirklich geeignet dafür, sehr schwerwiegende Anliegen vorzubringen? Wenn eine Lehrkraft übergriffig tätig geworden ist, würde ich das in der Schulversammlung sagen, wahrscheinlich eher nicht. Und dann müsste ich halt gucken, was sind dann Wege, um solche Anliegen auch vorbringen zu können.

Yvonne Oeffling:
[12:14] Um die Zusammenarbeit mit den Eltern natürlich auch. Es geht auch darum, letztendlich zu überlegen, wer sind unsere KooperationspartnerInnen? Also gibt es in unserer Region spezialisierte Fachberatungsstellen, die mir helfen können, ja im Falle der Intervention, also wenn Verlachtsfälle aufkommen, aber vielleicht auch manchmal sogar schon in präventiven Angeboten, entweder für die Schulung der Lehrkräfte oder für Angebote, die sich direkt an die Kinder und Jugendlichen wenden. Und das, finde ich, sind so die wichtigsten Elemente Der Punkt ist, Schutzkonzepte, du hast es schon angesprochen, sind ja eher so Schutzprozesse an der Stelle, auch von dem her ist.

Yvonne Oeffling:
[12:51] Qualitätsmanagement und Nachhaltigkeit ganz wichtig, nämlich einmal mit dem Aspekt zu sagen, nicht nur super Sachen sich zu überlegen, sondern das auch letztendlich dann schriftlich zu verankern und zwar so, dass es auch eine andere Lehrkraft vielleicht wiederfindet. Und auch nochmal, wenn ich so nach zwei, drei Jahren da nochmal drauf gucke, zu gucken, müssen wir noch was verändern? Ist das noch alles richtig? Das finde ich ist auch ein ganz wichtiger Teil, der in so einem Schutzkonzeptprozess auch mitgedacht werden muss. Weil letztendlich geht es darum, dass das nicht ein Papier ist, was irgendwo in der Schublade liegt, sondern im besten Fall ist es schon so, dass man sagen muss, so ein Schutzkonzept ist nur so gut, wie die Leute, die es auch umsetzen. Und das bringt nichts, wenn ich da tolle Bestimmungen reinschreibe, die dann irgendwo in der Schublade liegen, sondern so ein grenzenachtender Umgang mit Schülerinnen und Schülern, der passiert auch nur dann, wenn Lehrkräfte sich ernsthaft auch mit der Thematik auseinandersetzen und wirklich auch konkret überlegen, was bedeutet das für meinen Alltag mit den Schülerinnen und Schülern.

Linda Sachs:
[13:51] Du hast es ja eh schon gesagt und das ist ja auch ein ganz wichtiger Punkt in allen Fortbildungen, die wir zu dem Thema machen, ist Prävention als Haltungsfrage zu thematisieren und die Haltung wirklich als essentiellen Bestandteil dieser Entwicklung. Den ein oder anderen fällt es vielleicht leichter, mal so schnell ein Konzept runterzuschreiben und dann kann man sich das vielleicht auch aushängen und einen Haken machen an diese Aufgabe. Aber das bringt ja eben überhaupt nichts, wenn nicht auch eben verstanden wird, was das bedeutet, warum diese Bausteine da drinstehen, was für eine Aufgabe und Verantwortung Lehrkräfte haben und was das irgendwie auch für den Arbeitsalltag, für den Schulalltag bedeutet, da auch mit reinzubringen. Weil sich das ja oft nicht eben an einzelnen Workshops, die man einmal im Jahr für alle Klassen anbietet, manifestiert, sondern vor allem an den Kleinigkeiten in den einzelnen Unterrichtsstunden, in den Pausen, in den Begegnungen, in den Beziehungen von Lehrkräften und Schülerinnen. Wenn man so den Schritt Richtung Schutzkonzept geht, wir haben jetzt einen Überblick über diese ganzen Bausteine bekommen, oft wird gesagt, okay, erstmal eine Risikopotentialanalyse. Das klingt jetzt erstmal sehr groß und sperrig vielleicht oder sachlich. Was bedeutet das? Warum ist das wichtig? Aber was ist da in der Praxis auch zu beachten, damit man da auch nicht in den Wald reinkommt?

Yvonne Oeffling:
[15:04] Ja, genau. Also ich glaube, das ist eine zentral wichtige Frage von was muss ich machen, damit ich nicht in den Wald komme. Letztendlich ist so eine Risiko- und Potenzialanalyse aus meiner Sicht eine Status-Quo-Bestimmung. Also einfach mal den Ist-Stand zu erfassen. Und meine Empfehlung zum Vorgehen ist immer zu sagen, nehmt euch mal einen leeren Ordner, macht euch Registerblätter. Das kann man auch digital machen, wenn man nicht analog unterwegs sein will. Und dann schreibt man auf jedes Registerblatt mal einen Baustein. Und dann sammelt mal in eurer Schule zusammen, was ihr da schon für die einzelnen Bereiche schon alles habt. Und das ist letztendlich der Schritt der Potenzialanalyse, zu gucken, hey, was haben wir denn schon alles? Und da gibt es total viele, die irgendwie sagen, ah, ja, wir machen irgendwie noch gar nichts zum Thema Prävention sexueller Gewalt und dann kommen die und sagen, naja, aber wir machen da irgendwie...

Yvonne Oeffling:
[15:58] Eigentlich jedes Jahr auch Trainingsprogramme für Aufschaut oder so, also von der Polizei. Es gibt ja unglaublich viele Präventionsprogramme, die jetzt nicht spezifisch das Label haben, sexualisierte Gewalt, die vielleicht auch nicht spezifisch das Label haben, Schutzkonzept, aber die letztendlich schon auch in die Richtung grenzenachtender Umgang wirken und so weiter. Und wo man sagen kann, naja, was können wir denn für diesen Bereichen übertragen? Und das würde ich immer mal empfehlen zu sammeln, von was haben wir denn da schon für Dinge, die wir gemacht haben. Das ist das eine, das ist so. Und das Zweite ist dann schon auch natürlich zu gucken, zu sagen, was brennt uns denn, das wäre die Risikoanalyse, was brennt uns denn besonders unter den Nägeln? Was sind denn Dinge, die gerade in unserem Schulalltag uns immer wieder Probleme bereiten? Das können Orte sein, die irgendwie uns stressen.

Yvonne Oeffling:
[16:47] Das können Veranstaltungen sein, wie, keine Ahnung, wenn wir in Schulandheim fahren, dann haben wir immer wieder die Frage, wie machen wir das eigentlich, wenn ein Kind Heimweh hat? Und das kann auch sein, dass je nach Schulart und das ganz unterschiedliche Dinge sind, die einen da beschäftigen. Das kann sein, dass die Förderschul-Lehrkräfte sagen, Moment, bei uns ist das Thema Assistenz und wie begleiten wir Kinder auch bei sehr körpernahen Unterstützungen ein ganz anderes Thema ist als in der weiterführenden Schule. Da geht es vielleicht eher um die Frage von, wie verhalten wir uns auf Abschlussfahrt? Sitzen wir mit den Kids abends noch in der Knappe? Ja, nein. Und das finden wir da in Ordnung fast nicht. Es können andere Themen nochmal sein. Und das finde ich, muss man so ein bisschen herausarbeiten. Und ich finde, du hast es schon gesagt, man kann sich da ein bisschen verlaufen. Also ich kenne schon Empfehlungen, die dann echt sagen und dann müssen alle Schülerinnen und Schüler interviewt werden und alle Lehrkräfte und alle Eltern und so. Und je nachdem, wie groß so eine Schule ist, ist das halt echt ein Mammutwerk. Da bin ich dann schon mit einem Jahr Risikopotenzialanalyse beschäftigt, wenn ich irgendwie tausend Schülerinnen und Schüler habe, mit denen ich dann eine riesen Befragung machen soll. Und ich finde, es geht eher... Um so eine Status Quo Abfrage im ersten Schritt, um eine Orientierung dann auch zu bekommen. Da kommen wir in den anderen Folgen auch nochmal drauf von, wie kriege ich so ein Projektplan hin und so.

Yvonne Oeffling:
[18:06] Und das, glaube ich, geht auch mit anderen Mitteln. Also da kann ich, glaube ich, auch einfach irgendwie, weiß ich nicht, eine Pinnwand ins Lehrerzimmer heften und sagen, Leute, was sind denn die großen Baustellen, die euch echt unter den Nägeln brennen? Könnt ihr uns da mal Beispiele hinschreiben? Wir sind euer Präventionsteam. Wir brauchen das als Orientierung oder vielleicht eine Abfrage zu machen in der Konferenz oder bei den SchülersprecherInnen nachzufragen und so, um einfach so mal so eine Pi mal Daumen, Geschichte zu kriegen, zu sagen, was sind denn so die Sachen, die so die ganze Schulfamilie einfach als große Baustellen sehen.

Yvonne Oeffling:
[18:39] In die Details und ich denke mir immer, umso weiter man in so eine Entwicklung von so einem Schutzkonzept reingeht, umso detailreicher werden die Fragestellungen und das ist auch in Ordnung, dass das auch Teil des Prozesses geht. Aber ich glaube, wenn man am Anfang, man muss da einsteigen, um so die großen Brocken zu kriegen, aber wenn man da zu tief einsteigt und, sich im Detail verliert, besteht da schon noch ein bisschen die Gefahr, dass danach einfach das so Mount Everest-mäßig wirkt, was man da so an Sachen machen muss. Und dann scheitert man vielleicht schon an diesem Riesenbrocken. Und von dem her wäre, meine Empfehlung schon, Mal hingucken, um einen Überblick zu bekommen. Aber es reicht, wenn man erkennt, dass der Berg hoch ist. Man muss nicht schon die bis ins genaue Detail rausbekommen haben, wie hoch er ist. Und dann ist es gut, loszugehen. Und dann kann man so in den jeweiligen Basiscamps dann immer nochmal so eine Standortbestimmung machen und sagen, okay, vielleicht müssen wir nochmal Umweg gehen, weil wir haben noch drei Schritte vergessen oder so. Aber das ist Teil des Prozesses dann.

Linda Sachs:
[19:46] Total. Und es ist ja oft so, dass es auch nicht endlos Ressourcen zur Verfügung stehen. Und wenn man die schon am Anfang irgendwie dahin verpulvert und dann denkt, okay, wie sollen wir das jetzt eigentlich alles noch machen? Also lieber gucken, dass man auch eben, wie du sagst, ins Tun kommt und da Schritt für Schritt das angeht. Es werden so, dass so viele Fragen aufkommen, wenn man in die einzelnen Bausteine reingeht und denen kann man dann auch zu der jeweiligen Zeit nachgehen. Aber nochmal einen Schritt zurück. Mal angenommen, ich bin jetzt eben eine Lehrkraft. Ich möchte ein Schutzkonzept an meiner Schule anstoßen. Was sind so Rahmenbedingungen, die ich brauche, die man vor Ort schaffen muss, damit das wirklich auch klappt?

Yvonne Oeffling:
[20:18] Also ich glaube, ein wichtiges Teil ist, dass einem klar wird, so eine Entwicklung von einem Schutzkonzept, die passiert nicht nebenbei. Also das ist kein freiwilliges Nice-to-have, sondern letztendlich ist aus meiner Sicht die Entwicklung eines Schutzkonzepts Teil der Schulentwicklung. Und von dem her finde ich, ist es wichtig, dass wir uns klar machen oder dass wir vorher, auch wenn wir total engagiert sind, sagen, juchu, ich bin jetzt diejenige, die es mit anstößt, dass ich die Rahmenbedingungen kläre und auch die Ressourcen kläre und sage, okay, kriege ich da vielleicht nochmal eine Stunde zur Verfügung gestellt, in der sowas auch gemacht werden kann. Das finde ich ist tatsächlich wichtig, weil einfach nur on top das in meiner Freizeit irgendwie zu machen, das finde ich einfach eine wahnsinnig hohe Hürde, das hinzubekommen. Und das Zweite ist, finde ich, und die ist auch wichtig, dass ich mir schon auch so, wenn ich eine engagierte Lehrkraft bin, sage ich, ja, ich kann mir das vorstellen, in meiner Schule voranzutreiben und ich suche mir noch ein paar andere Kolleginnen und Kollegen.

Yvonne Oeffling:
[21:21] Dass man auch nochmal klarstellt, wie wird so ein Schutzkonzept denn dann wirksam? Also das bedeutet, nur weil sich die Arbeitsgruppe von drei KollegInnen, das sich ja überlegt hat, heißt es ja noch lange nicht, dass das dann für alle gilt. Also ich brauche auch die Rückendeckung und das ist eine Leitungsaufgabe an der Stelle. Ich brauche auch die Rückendeckung von Schulleitung zu sagen, ah ja klar, wir beauftragen euch jetzt auch damit, dass ihr diese Entwicklungsprozesse geht und dass ihr das macht. Und diese Rückendeckung finde ich total wichtig. Wir erleben das in der Praxis ganz häufig, dass zum Beispiel die total engagierte Schulsozialarbeiterin bei uns anruft und sagt, Mensch, ich würde gern mit meiner Schule, in der ich arbeite, ein Schutzkonzept entwickeln. Und oft sind die ja gar nicht direkt an der Schule angestellt, sondern bei einem externen Träger der Jugendhilfe. Und unsere Rückfrage ist immer zu sagen, aber wie könnt ihr denn sicherstellen, dass ihr in dieses System wirken könnt? Und das, finde ich, ist eine wichtige Frage, die man am Anfang klären muss, mit Schulleitung auch zusammen zu sagen, wir stellen unsere Expertise zur Verfügung, wir sind motiviert, hurra, wir laufen los. Aber welche Anker müssen wir setzen, damit das auch wirksam fürs System wird? Und das, finde ich, ist wichtig, dass man das auch am Anfang klärt, damit man da nicht total frustriert ist. Da hat man vielleicht sonst irgendwas Schönes ausgearbeitet und dann merkt man, das interessiert irgendwie keinen. Das wäre doof. Von dem her gleich klären.

Linda Sachs:
[22:48] Ja und apropos Schönes ausarbeiten, ist ja auch der Punkt, als es oft dann auch von den InitiatorInnen viele spannende und coole Ideen gibt. Und die Herausforderung ist ja genau, dass es eben nicht Copy und Paste entstehen kann. Es gibt viele Hilfestellungen und Tipps auf den Plattformen wie Schule gegen sexuelle Gewalt. Aber man muss eben immer die Rahmenbedingungen anschauen. Und da gibt es auch so ein paar Qualitätskriterien sozusagen, an denen man sich orientieren kann, damit so ein Schutzkonzept dann auch wirklich für die Praxis passt, weil es eben alltagsnah sein muss. Also es muss konkret umsetzbar sein und lieber kleinere Schritte zu gehen, anstatt sich das perfekte Schutzkonzept zusammenzuschreiben, was aber überhaupt nicht zum Alltag an der Schule irgendwie passt und auch möglichst konkret zu werden und sich eben zu überlegen, wie erreicht diese Information, das wissen die Haltungsfrage auch andere Mitarbeitende, wie erreicht es die SchülerInnen und auch die Lehrkräfte und man muss sich natürlich fundiertes Wissen aneignen, auf dem das Ganze aufbaut. Da werden wir auch nächsten Monat nochmal einen Blick drauf werfen, was da alles dazu zählt und eben partizivativ entwickelt. Und da muss man natürlich immer schauen, was ist der Rahmen. Man kann nicht zu jedem Baustein eine Komplettumfrage an der ganzen Schule zu machen, aber zu schauen,

Linda Sachs:
[23:59] Welche Perspektiven sind da für welchen Baustein besonders wichtig, wo kriegen wir da Informationen her und was gibt es aber vielleicht auch für unterschiedliche Gruppen an der Schule, die man erreichen muss, um da auch zum Beispiel mit Beschwerdemöglichkeiten auch wirklich alle zu erreichen und nicht nur die oberen Klassenstufen, von denen ja meistens Schülersprecherinnen zum Beispiel kommen. Und Räume auch für die Reflexion, die eigene zu schaffen. Würdest du noch was ergänzen?

Yvonne Oeffling:
[24:23] Ja, ich glaube, das sind so die wesentlichen Kriterien schon gewesen. Und ja, also wichtig finde ich wirklich nochmal so diesen, das ist ein ganz zentraler Punkt zu sagen, es ist nicht Copy-Paste. Und das Schutzkonzept der Grundschule XY kann ganz anders aussehen wie das Schutzkonzept des Gymnasiums AB und das ist richtig und wichtig und gut so. Und von dem her glaube ich, dass diese Frage von, was ist eigentlich für uns relevant, natürlich in der Orientierung von den Maßstäben, die es gibt, die sind ja auch nicht irgendwie aus der Luft gegriffen, eine ganz so wichtige ist.

Linda Sachs:
[24:58] Du hast es vorhin auch schon angesprochen, dass oft eine sehr große Hürde bei der Schutzkonzeptentwicklung an Schulen ist, dass der Berg riesig vorkommt. Nicht stemmbar, dass man vielleicht nicht so viele Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommt, mit denen man es umsetzen kann. Dass man das Gefühl hat, das ist eigentlich gar nicht schaffbar mit den Mitteln, die man hat. Dann hat man auch noch unterschiedliche AkteurInnen mit im Boot, mit denen man zusammenarbeiten muss, wie Schule Sozialarbeit, die einem anderen Träger angestellt ist. Vielleicht gibt es auch noch BusfahrerInnen, die man irgendwie einbeziehen muss oder andere Kräfte. Wie geht man mit diesem Gefühl eines nicht schaffbaren Berges um und wie kann so eine gute Zusammenarbeit dann auch gelingen? Hast du Tipps?

Yvonne Oeffling:
[25:39] Also ich glaube, der erste Schritt ist, in so einer Pizzatechnik zu denken. Also zu sagen, okay, so eine Riesenpizza, ich weiß gar nicht, ob ich die schaffe. Dann kann ich auch erst mal sagen, okay, ich gucke mir erst mal nur das erste Viertel an. Und dann denke ich über das zweite Viertel nach und dann über das dritte Viertel. Also es heißt, schon auch nochmal in so Etappen zu denken, ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt. Und auch noch mal eine Klarheit zu haben, dass der Prozess an sich schon ein wichtiger Schritt Richtung Schutzkonzept ist. Also dass es nicht unbedingt nur darum geht, dass ich meine To-Do-List an, Items abhaken kann, sondern dass, wenn ich das hinkriege und das finde ich in der Schule manchmal gar nicht so einfach, Diskussionsräume zu schaffen, wo man sich wirklich über eine Haltungsorientierung unter den Lehrkräften zum Beispiel mal unterhalten kann, wo man dann vielleicht auch ernsthaft mal diskutiert von, was finden wir denn alle in diesen Settings in Ordnung, dass das ein wahnsinnig wichtiger Schritt ist, und dann kann es sein, dass das halt auch, Bisschen länger dauert. Und ich glaube, damit ich vorher nicht frustriert bin, ist es auch wichtig, dass ich diesen Zeitkorridor auch nicht zu knapp hinbekomme. Unser Podcast hat ja sehr bewusst den Titel in einem Jahr zum Schutzkonzept, weil wir eben schon davon ausgehen zu sagen, Leute, das kriegt ihr halt nicht irgendwie mal kurz zwischen Weihnachten und zwischen Zeugnissen mal runtergeschrieben.

Yvonne Oeffling:
[27:02] Und diese Klarheit, finde ich, braucht es an der Stelle. Und dann macht es natürlich Sinn, sich zu überlegen, kriege ich eine multiplerofessionelle Zusammenarbeit hin, also zu sagen, von allen AkteurInnen, die du schon quasi genannt hast, dann kriege ich da vielleicht immer eine noch mit ins Boot, in meine Arbeitsgruppe, damit ich da gut am Start bin. Und dann würde ich mir den Verlauf angucken, wie arbeiten wir denn sonst halt so zusammen, wann sind unsere Lehrerkonferenzen, wann haben wir vielleicht irgendeine Treffen mit dem Elternbeirat, whatever, und da schon an diesen Etappen denken zu sagen, okay, was können wir denn konkret bis dahin schaffen, was wären denn die ersten Schritte, die wir da machen. Und ich finde immer, wie das ja so ist mit so Zielvorgaben, messbar wäre gut, erreichbar wäre gut, von dem her kleine, konkrete Schritte. Und wenn das nur ist, dass ich sage, okay, in der nächsten Lehrerkonferenz stellen wir uns als Team vor und präsentieren den Projektplan. Punkt. Und in der übernächsten sammeln wir die Fragestellungen, was sind besondere Sachen zum Thema Nähe und Distanz, die das ganze Kollegium betreffen und berühren. Also so ganz konkrete Schritte sind, glaube ich, wichtig.

Linda Sachs:
[28:13] Ich finde, du sagst ja auch immer sehr passend, es ist ein Marathon, kein Sprint, also sich darauf einzustellen, dass es mit einer mäßigten Geschwindigkeit startet, um das auch durchhalten zu können und da Schritt für Schritt das umzusetzen und an einigen Schulen wird es auch länger als ein Jahr dauern und auch das ist nicht schlimm. Jeder Schritt, den man geht, hat schon was bewirkt und da einfach ins Tun zu kommen. Da sind wir eh schon jetzt mittendrin. Wir starten jetzt diesen Prozess, ich an meiner Schule und ich frage dich, was sind jetzt wirklich die ersten Schritte, die ich gehe, um das wirklich jetzt ganz konkret einzugehen?

Yvonne Oeffling:
[28:50] Also die ersten Schritte ist wirklich erstmal Fans gewinnen. Also sucht euch Menschen, die auch sagen Hurra, ein Schutzkonzept für unsere Schule ist eine Bombenidee. Also ich brauche Fans, die mitmachen, konkret in der Arbeitsgruppe so und auch die Fans, die sagen cool, dass ihr das übernehmt. Also die brauchen wir auch. Das ist sozusagen, ich brauche nie nur Fans, die mitmachen, ich brauche auch Fans, die klatschen. Das ist auch wichtig. Das zweite ist wirklich so einen Überblick zu verschaffen, von was haben wir denn schon oder wo waren wir denn schon dran, gab es da schon Überlegungen, gibt es Regelungen, das einfach mal so diese Risikopotenzialanalyse wirklich zu machen und zu sagen, okay, wo genau stehen wir eigentlich, so eine Status Quo Bestimmung. Und dann ist, glaube ich, schon wichtig, wie ich eben schon gesagt habe, so ein Schutzkonzept als Schutzprozess, als Projekt zu denken, sich zu überlegen, okay, das ist jetzt also meine Arbeitsgruppe, was sind so unsere realistischen Etappenziele, wie sieht unser Projektplan aus, in welchen Abständen treffen wir uns vielleicht auch, wer macht was bis wann, also so ganz konkrete Dinge finde ich es wichtig, dann macht es Sinn, Transparenz zu schaffen und zwar.

Yvonne Oeffling:
[30:03] Ins Kollegium hinein, also dass die auch wissen, was ist unser Projektplan, wie gehen wir vor zu den Schülerinnen und Schülern, auch zu den Eltern hin, weil das ist zum einen natürlich wichtig, dass ich das nicht so über die Köpfe hinweg der Menschen mache, für die es auch wirken soll. Und zum anderen ist es natürlich auch für so eine Projektgruppe so ein Sicherheitsnetz, weil das ist ja immer so ein On Top nebenbei.

Yvonne Oeffling:
[30:26] Und wenn aber die anderen dann auch mal fragen können, wie weit seid ihr denn jetzt in eurem Prozess oder ihr habt da geschrieben, da ist irgendwie, wo ist denn das? Dann ist das ja auch manchmal so eine Unterstützungshilfe, die mir helfen kann, dass ich dann durchaus was tue. Weil gäbe es die letzte Minute nicht, würden manche Sachen niemals fertig werden. Und von dem her ist es ja auch manchmal gar nicht so schlecht, wenn ich so konkrete Deadlines sozusagen habe, die auch anderen bekannt sind und nicht nur meinem Hirn so verankert sind, damit ich da auch mit bereit bin. Und was ich immer, immer mitdenken würde, das finde ich ist total zentral, ist Wissensmanagement. Also wo legen wir die Sachen ab? Ich habe schon wirklich viele Prozesse an Schulen begleitet, wo ich schon die zweite, dritte Lehrkraft der Schule bei mir in der Beratung sitzen habe, wo ich weiß, da gab es Unterlagen vorher. Da war schon eine total engagierte Frau und ein engagierter Lehrer irgendwie am Start und hat da was entwickelt und die finden das Zeug nicht mehr. Und dann fangen die wieder bei null an. Das ist völlig irre. Das ist eine Ressourcenverschwendung ohne Ende. Und von dem her wirklich, wirklich wichtig, Wissensmanagement vorher gut überlegen.

Linda Sachs:
[31:36] Das wäre wirklich ärgerlich. Zum ersten Punkt nochmal, du hast gesagt, Fans gewinnen. Oft kommt ja auch, man geht das erste Mal auf die Lehrerkonferenz, dann gibt es halt doch die paar, die irgendwie blöde Kommentare machen, die keine Lust haben, Strukturen oder sich zu ändern. Das kann sehr verunsichern oder entmutigen. Hast du dafür noch Umgangstipps?

Yvonne Oeffling:
[31:54] Ja, also ich glaube, mein Umgangstipp ist mittlerweile schon, dass ich sage, also an so richtig krassen Widerständen würde ich mich nicht abarbeiten. Also da kann man sich gut beziehen zu sagen, Leute, wir haben ein Schulgesetz, Leute, wir haben eine Empfehlung von der KMK. Mag sein, dass das irgendwie vor 85 Jahren noch nicht so am Start war, aber jetzt ist das einfach state of the art. Schulen brauchen Schutzkonzepte, Punkt. Und wenn ihr keinen Bock habt mitzumachen, dann haltet wenigstens irgendwie, ich sage es jetzt mal sehr platt, ja, den Rand und stört den Prozess nicht. Und vielleicht kann ich dann auch mit solchen Widerständen durchs Tun einfach auch die überzeugen, dass das vielleicht doch was bringt. Aber also natürlich ist es so, dass es manche gibt, die eine Unsicherheit haben. Die kann ich gewinnen, indem ich den Nutzen ihnen aufzeige und das finde ich ist wichtig. Aber wenn es wirklich so eine ganz krasse Widerstandshaltung von, das macht man nicht und das haben wir schon immer so gemacht und das machen wir weiter so und was ihr mit eurem neumodischen Schmander.

Yvonne Oeffling:
[32:50] Haltungen mir entgegenprallen, dann glaube ich, würde ich mich daran nicht abarbeiten, weil das kostet so viel Energie und Kraft, diese Auseinandersetzungen zu führen, die am Ende des Tages, glaube ich, auch nicht für den Prozess gewinnbringend sind. Und solche Entscheidungen, glaube ich, muss ich immer wieder auch treffen in so einem Prozess, zu sagen, lohnt sich die Diskussion, weil sie eine Haltungsentwicklung bringt? Oder ist die Haltung so festgefahren, dass ich sagen muss, okay, dann baue ich meinen Garten um dich rum, also dann bleib du wie so ein Stein da stehen, machen wir, vielleicht kriegst du noch eine Luftballonschlange um dich rum, damit du, aber so, also das finde ich, muss man auch mal entscheiden.

Linda Sachs:
[33:30] Voll einfach ein bewusstes Umgehen mit den eigenen Ressourcen auch und oft lassen sich dann doch ja auch Menschen überzeugen, weil ja so Auseinandersetzungen auch eigene Handlungssicherheit gibt und ja nicht nur was für die Kinder bringt, sondern auch tatsächlich auch was für die Lehrkräfte und Mitarbeitenden, weil in der Regel haben alle Unsicherheiten mit bestimmten Situationen in besonderer Nähe mit bestimmten Situationen im Arbeitsalltag. Und darüber kann man dann doch einige gewinnen, aber eben nicht alle. Jetzt nochmal zum Abschluss in drei Worten die ersten drei Schritte.

Yvonne Oeffling:
[34:01] Ja, Team finden, Rahmenbedingungen aushalten und am besten irgendwie sicherstellen, dass mal so eine Fortbildung zu Basisinfos gemacht wird und alle Lehrkräfte so ein Basiswissen bekommen. Punkt.

Linda Sachs:
[34:15] Super, danke dir. Wir haben jetzt gehört, Schutzkonzepte sind extrem wichtig für Schulen, weil Schulen einfach ein Raum sind, an dem man alle Kinder erreichen kann, an dem wichtig ist, da Strukturen zu schaffen. Einerseits zur Prävention sexualisierter Gewalt in der Schule, aber auch eben darüber viele Punkte und Wissen auch an Schülerinnen vermittelt werden kann, weil die dort einfach alle erreichbar sind. Und das passiert eben Schritt für Schritt, dass ein Schutzkonzept bietet den Rahmen, in dem Maßnahmen verankert werden, aber Hauptsache anfangen und das Thema mal an der Schule setzen, Schritt für Schritt gehen und so ein Prozess braucht seine Zeit und sich davon nicht entmutigen lassen. Zum Abschluss noch für die Hörenden, was würdest du sagen, sind deine nochmal drei Praxistipps aus deiner Erfahrung, damit man da gut rein stottet?

Yvonne Oeffling:
[35:07] Also ich glaube, der ganz banale erste, die erste Empfehlung ist, fangt an. Jetzt ist die richtige Zeit, um euer Schutzkonzept an eurer Schule zu starten, weil dann ist wieder der Weihnachtsbasar und dann ist wieder, keine Ahnung, Forschungsparty und dann müssen wir Zwischenzeugnisse schreiben und dann haben wir einen Wechsel in das Kollegium. Also es gibt immer wieder Hürden, die so einen Prozess verlangsamen können, die dafür sorgen, dass es irgendwie nicht die richtige Zeit ist. Und deswegen finde ich, einen Startschuss zu machen, zu sagen, wir fangen jetzt einfach an, auch wenn wir vielleicht nicht im Moment die krass Riesenressourcen haben, um irgendwie uns drei Tage in Klausur zu stecken und wahnsinnig viel zu erreichen. Aber wir fangen jetzt mal an, ist einfach der wichtigste Tipp, weil sonst fängt man nicht an. Und der zweite ist tatsächlich nochmal, bei allen Maßnahmen, die man implementieren möchte und die man geht, sich zu überlegen, was soll das eigentlich bringen? Also warum machen wir das eigentlich? Das glaube ich muss so eine Projektgruppe verkaufen können und das müssen auch alle Lehrkräfte, alle Eltern, alle Schülerinnen und Schüler verstehen zu sagen, zu welchem Zweck passiert das eigentlich? Weil ansonsten ist es so eine wirklich Aneinanderreihung von wahllosen Empfehlungen, wo niemand so genau weiß, wieso.

Yvonne Oeffling:
[36:28] Und dieses Warum finde ich ist immer wichtig, total wichtig mitzudenken. Und der dritte Praxistext ist wirklich verschriftlichen, verschriftlichen, verschriftlichen und auch dann ja auch so im Sinne eines Wissensmanagements darauf einigen, wo ist es abgelegt, wie kann ich das einsehen. Zum einen, damit ich nicht immer permanent Sachen neu erfinden muss, die eigentlich schon fünfmal geregelt sind. Und zum anderen muss man ja auch sagen, wenn ich solche Standards etabliert habe, wenn ich sie besprochen habe, wenn ich sie diskutiert habe, sind sie ja auch eine Grundlage dafür, für Beschwerde, für eine, ja auch für eine Neuordnung zu sagen, Leute, ich glaube, da läuft was nicht so gut. Und es ist viel einfacher, wenn dann da steht, ey Leute, wir haben aber das so und so vereinbart und ich merke jetzt, das ist irgendwie anders. Es ist einfacher, das zu formulieren, als wenn ich das wieder nur mein Bauchgefühl ist, das vielleicht sagt, ich finde es nicht so ganz okay. Also jetzt anfangen. Warum? Was bringt es eigentlich? Und verschriftlichen. Das sind meine drei Praxistipps.

Linda Sachs:
[37:33] Vielen Dank. Ich glaube, damit sind wir auch am Ende für heute. Vielen Dank, dass ihr alle zugehört habt. Ihr seid damit heute schon den ersten Schritt im Prinzip gegangen, habt euch eine Basis erarbeitet. Nächsten Monat, wieder am 15. kommt die nächste Folge. Da schauen wir uns an, welches Wissen es braucht, um wirksame Schutzkonzepte entwickeln zu können und welche Basis man sich dafür schaffen muss. Danach folgen die einzelnen Bausteine. Wir freuen uns, wenn ihr dranbleibt. Alles Gute und bis bald.

Yvonne Oeffling:
[38:01] Tschüss.

Linda Sachs:
[0:04] Vielen Dank an alle, die bis hierhin zugehört haben und sich auf den Weg machen, Prävention an ihrer Schule voranzutreiben.

Yvonne Oeffling:
[0:10] Wenn es euch gefallen hat, dann abonniert uns gerne, lasst uns eine Bewertung da und schreibt uns euer Feedback direkt an projekte@amya.de. Infos und Links findet ihr in den Shownotes oder auf unserer Homepage www.amyna.de.

Linda Sachs:
[0:25] Das war Prävention konkret, der Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt von Amyna e.V.
S01E00 01:37

Trailer Staffel 1

Staffel 1: Schutzkonzepte machen Schule - In einem Jahr zum Schutzkonzept
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Dieses Transkript wurde automatisch erstellt.

Yvonne Oeffling:
[0:06] Erstmal Fans gewinnen. Also sucht euch Menschen, die auch sagen: Hurra, ein Schutzkonzept für unsere Schule ist eine Bombenidee. Jetzt ist die richtige Zeit, um euer Schutzkonzept an eurer Schule zu starten.

Yvonne Oeffling:
[0:24] Hallo und herzlich willkommen bei Prävention Konkret, der Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt von Amyna e.V. Mein Name ist Yvonne Oeffling und ich hoste den Podcast zusammen mit meiner Kollegin Linda Sachs.

Linda Sachs:
[0:40] Unter dem Titel Schutzkonzepte machen Schule in einem Jahr zum Schutzkonzept geht es in der ersten Staffel konkret um die Frage, wie gelingt Prävention sexualisierter Gewalt in der Schule. Wir begleiten euch dabei ein Jahr lang auf eurem Weg zum Schutzkonzept und greifen Folge für Folge einzelne Bausteine auf.

Yvonne Oeffling:
[0:58] Wir diskutieren spezifische Herausforderungen und vermitteln fundiertes Basiswissen. Und wir bauen mit unseren Empfehlungen und Tipps für euch eine Brücke, damit theoretische Empfehlungen in eurer Praxis umgesetzt und verankert werden können.

Linda Sachs:
[1:13] Vielen Dank fürs Einschalten und viel Spaß bei Prävention konkret.

Die Gastgeberinnen

Foto von Yvonne Oeffling
Yvonne Oeffling
Master of Social Management M.S.M, Dipl. Sozialpädagogin (FH)
Foto von Linda Sachs
Linda Sachs
Soziologin M.A., Sozialpädagogin B.A.

Aktuelles

AMYNA startet neuen Podcast
Cover final neu.png
„Prävention konkret – Der Podcast zur Prävention sexualisierter Gewalt“ von AMYNA e.V. diskutiert zentrale Fragen der Prävention – fachlich fundiert, verständlich und praxisnah. Die erste Staffel startet am 25. September mit dem Titel „Schutzkonzepte machen Schule - In einem Jahr zum Schutzkonzept“. Danach gibt es immer zum 15. jedes Monats eine Folge. Der bereits veröffentlichte Trailer gibt einen ersten Einblick.
Stellungnahme der Aktion Sichere Wiesn zur Debatte um das Teufelsrad
Sichere Wiesn Logo
Die Aktion Sichere Wiesn ist eine Kooperation von AMYNA e.V., IMMA e.V. und der Beratungsstelle Frauen*notruf München
Ein buntes Programm zum Schutz von Kindern
Hände mit aus Pappe ausgeschnittenen Figuren die eine Familie darstellen
Traditionell zum Schuljahresanfang startet auch das Jahresprogramm von AMYNA e.V. Die beiden Bereiche ‚Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch‘ und ‚GrenzwertICH – Sexuelle Grenzverletzungen durch Kinder und Jugendliche verhindern‘ haben wieder ein vielfältiges Programm zusammengestellt. Es wendet sich an alle, die für Kinder und Jugendliche Verantwortung tragen. Ziel ist der Schutz vor sexualisierter Gewalt. Klicken Sie hier, um die vollständige Pressemitteilung zu lesen.

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